  |
In 15.998 registrierten Fällen wurden im Jahr 2002 Kinder sexuell mißbraucht. Dunkelziffer: 50.000 bis 300.000. Ausgeliefert, erniedrigt und jeder Chance, sich zu wehren, beraubt, spüren sie noch Jahre später die Angst. Ihr Körper und ihre Seele reagieren auf Geräusche, einen Geruch oder Wörter, blitzartig kommen die Erinnerungen, alles verkrampft sich in Ekel, Schmerzen, Verwirrung und Schamgefühl. Bewegungsunfähigkeit. Einsamkeit. Ein langer und mühevoller Weg auf der Suche nach den Ereignissen der Kindheit, die sich tief in das Unterbewußtsein eingegraben haben, steht für sie bevor.
Ihr Körper, vom Täter als Mittel zur Erniedrigung benutzt, hat keine positive Beziehung zum Bewußtsein mehr. Oft entsteht der vom Täter gewollt geförderte Eindruck, der eigene Körper ist Auslöser für Übergriffe, Schmerzen und Erniedrigung. Selbstverletzung, Verweigerung, Desinteresse, Aufgabe.
Die Konfrontation mit derartigen Gewaltstrukturen, besonders, wenn innerhalb der Familie, stellt die Grundfesten eines jeden Lebensentwurfes in Frage. Bleiben die gewalttätigen Beziehungsmuster ein Leben lang? Verfängt man sich nicht immer wieder in mißbrauchenden Beziehungen? Kann das Leben überhaupt noch ohne Angst weitergehen?
Erst seit den 80-er Jahren wird das Problemfeld des sexuellen Mißbrauches breiter diskutiert. Die Mauer des Schweigens wurde gebrochen, öffentlich von den quälenden Erfahrungen berichtet. Viele öffentliche und private Einrichtungen und Vereine bieten heute deutschlandweit Hilfe bei seelischer und körperlicher Not. Doch Hilfe braucht Zeit. Zeit leider auch vor Beginn einer therapeutischen Zuwendung. Quälende Gerichtsgänge, Beamtenstempel und Familientragödien lassen viele Kinder lange Zeit allein in ihrer zerbrochenen Welt.
Langsam, mit Hilfe eines Therapeuten oder Vertauten, manchmal auch nie, schafft es das Kind, seine Persönlichkeit in die Geschehnisse einzuordnen und zu verarbeiten. Gern würde das Kind weg, ganz weit weg. Es wohnt im NEUland, mit dem Wildwasser oder im Strohhalm in einer anderen Welt, weg von zu Hause. Es könnte im [Seelenbruch] wohnen, ganz weit weg.
Der [Seelenbruch] soll als [er]lebenspädagogischer Teil der Heilungstherapie dem Kind temporäre Zuflucht bieten. Zusammen mit seinem Betreuer kann es fort von zu Hause an der Westküste Schwedens zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen wohnen und seine Geschichte erzählen. Dreißig Personen ziehen an einen Ort, der selbst seine Geschichte erzählt - Tångevik auf der Insel Ramsvik im Skagerrak, Nahe Uddevalla, ca. drei Autostunden nördlich Göteborgs. Die extreme Umgebung und die Natur, dazu etwas schwedische Lebensart bilden sowohl Kulisse als auch Bestandteil für unseren Entwurf.
|